Einmal von Bangkok nach Paradies, bitte!

Thailand
Wir liegen auf unseren minikleinen, dunkelgrünen Metalldoppelstockbetten auf einer mehr als fragwürdigen Over-Night-Fähre nach Koh Tao und legen gerade ab. Koh Tao soll das Paradies sein, haben wir gehört. Aber irgendwie sagt das auch jeder über jede thailändische Insel. In mir steigt der Verdacht auf, bevor man ins Paradies kommt muss man durch die Hölle. 😉 Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Die Fahrt soll sieben Stunden dauern, morgens um fünf legen wir in Koh Tao an. Der Schlafsaal ist ausweislich des Flyers mit einer Klimaanlage ausgestattet, aber davon merk ich hier grad gar nichts, es ist schweineheiß. Wir haben vorhin in einer der typischen Toiletten-Duschkomibs geduscht. Das hat sich aber irgendwie nicht so richtig gelohnt. Wie auch, es sind draußen schwüle 38 Grad und wir sitzen hier wie eine Horde Sardinen in einer schwimmenden Blechbüchse, die außer Menschen auch noch Baumaterial und einiges anderes geladen hat. Auf Klo möchte ich hier lieber auch nicht – das ist zwar nicht schlimmer als das auf Land, jedenfalls nicht hässlicher. Dafür findet an der sehr niedrigen Decke eine Art Spinnenparty statt, unter der ich unmöglich pinkeln kann. Biologisch Interessierte Insektenenthusiasten hätten hier ihre wahre Freude. Ein thailändischer Mitreisender quittierte meine schreiende Flucht und die Erklärung “too many spiders, many, many spiders” mit einem herzlichen Lachen. Ich jedenfalls werde versuchen anzuhalten, bis ich wieder festen Boden unter den Füßen habe….
Das Schiff legt ratternd ab und ich bete, dass wir die Nacht überleben. Jedenfalls hat unser Boot ein Funkgerät, dass haben wir überprüft. Rettungsboote habe ich allerdings keine gesehen…naja, ich will mal nicht den Teufel an die Wand malen! Alles wackelt…das Rattern des Schiffsmotors übertönt meine Ipod-Musik und durch die Fenster kann man nur Schwärze sehen, schwarze Nacht, schwarzen Himmel, schwarzes Wasser….Dunkelheit umhüllt das Schiff. Egal, morgen wachen wir im Paradies auf! Langsam döse ich zum Rattern des Schiffsmotors weg…

 

Der Weg hierhin und die Tage hierher waren aufregend und anstrengend zugleich. Heute sind wir aus Phetchaburi mit dem Zug angereist. Es gab nur noch dritte-Klasse-Tickets ohne AirCon, leider, und der Zug fuhr sechs statt der von uns erwarteten vier Stunden. Drei Stunden haben wir gebraucht um Sitze nebeneinander zu erhaschen. Der Zug war voll, aber nur die Sitze und die beliebten Plätze in den offenen Türen, die Gänge blieben weitgehend frei. Sonst hätten ja auch die vielen Verkäuferinnen nicht martkschreierisch den Gang auf und ab rennen und ihre Ware anpreisen können: Seltsame kleine (Wachtel?) Eier in einer komische Soße, getrocknete Fruchtchips in verschiedenen Sorten, Getränke mit Eis in Plastikbeuteln mit Strohhalm (den Eiscafe kann ich wärmstens empfehlen – und mit dem übriggebliebenen Eisbeutel kann man seine von der Hitze angeschwollenen Knöchel kühlen), Reis mit Fleisch in viereckigen Palmblätterpacketchen, süßen Reis mit Rosinen in Bambusrohren, Nüsse mit Zeugs dran, Fisch, Undefinierbares, Undefinierbares und noch mehr Undefinierbares. Ich versuche jeder vorbeieilenden Verkäuferin in die Tüten oder Körbe zu schielen, vielleicht entdecke ich ja doch etwas Essbares? Das allermeiste lehne ich aber dankend ab, ohne auch nur drüber nachzudenken. Die vier buddha-ähnlichen thailändischen Damen im Vierer neben uns allerdings kaufen bei jeder Verkäuferin mindestens ein Päckchen von was auch immer sie verkauft, meistens zwei bis drei. Unter ihren Sitzen und in den Gepäckablagen über ihren Köpfen stapeln sich die Palmblätterpäckchen und andere Essensvorräte. Das meiste essen Sie aber sofort (man hatte ja eine Figur zu halten^^) und werfen dann den Müll aus dem Fenster, wie man es aus Asien gewöhnt ist. Wir packen unseren Müll unter Stirnrunzeln der Umsitzenden in eine Plastiktüte, die wir vorerst unter unseren Sitz legen. (Wenn auch nur einer sich uns zum Vorbild nähme wären wir glücklich…*seufz*!) Irgendwann stelle ich mich in die offene Tür und hänge meinen Kopf aus dem Zug. Der Fahrtwind kühlt den Körper und irgendwie vermittelt mir das ein Gefühl von Freiheit. Wo kann man sich heutzutage schon noch aus einem fahrenden Zug hängen lassen und den Fahrtwind genießen? Hier ist es meine Sache, welches Risiko ich eingehe! Der Typ auf der Treppe neben mir genießt die Fahrt im vollen Zug jedenfalls in vollen Zügen: Er hat eine Fliegerbrille an, so kann er Fahrt und Wind ohne Zusammenkneifen der Augen genießen… der Mann ist vorbereitet! 😉

 

Phetchaburi nennt man in Thailand auch “living Ayutthaya” (lebendiges Ayutthaya), weil all die vielen Tempel, die in Ayutthaya zerstört sind, hier noch intakt, bunt bemalt und goldverziert sind. Neben jeder Menge Tempel und einem riesigen goldenen Buddha in einer riesigen Höhle gibt es hier vor allem – Überraschung, Überraschung – gute Eiscreme in einem schweizerischen Restaurant. Wir halten hier auf dem Weg zur Höhle und dann nochmal auf dem Weg zurück. Schließlich haben wir Urlaub und one icecream a day, keeps the doctor away. Oder so. 😉 Außerdem leben hier viele kleine und große orange-farbene Makakenaffen, die leider nicht halb so freundlich sind wie die Leute hier (eine junge Frau hat uns umsonst (!) zu unserem Hotel gefahren).

 

Die großen und wiederholt auftretenden “Beware of monkey attacks“- Schilder im Heritage Park hier in Phetchaburi sorgen für etwas Anspannung bei uns während wir durch den wunderschönen Park schlendern…die Affen sitzen auf dem Weg und auf den Bäumen und schauen einen mit skeptischen Na-habt-ihr-Essen-dabei-Blicken an, wenn man vorbeigeht, aber wir kommen heil davon. Immerhin rennen sie uns nicht zähnefletschend hinterher wie hier in Phetchaburi schon der dritte Streunerhund. Aber trotzdem: Ein Warnschild. Auf Englisch. In Asien? Wir sind auf einen jederzeitigen Angriff von oben gefasst und hoffen einfach, dass uns der “Himmel nicht auf den Kopf fällt“, schließlich haben wir keinen Zaubertrank dabei. 😉

 

Die Fahrt nach Phetchaburi war auf ihre Art sehr spektakulär. Endlich haben wir es mal geschafft einen “local bus“, einen ganz normalen thailändischen Bus also, zu nehmen. Wobei wir wenig dafür getan haben – in Kanchanaburi haben wir dem Taxifahrer gesagt er soll uns zum Busbahnhof fahren. Und der liebe, alte, nette Opi hat uns zum richtigen Busbahnhof gefahren und nicht zum Touri-Minibus-Busbahnhof. Superb! Plötzlich kosten die Busfahrkarten nur noch ein Drittel und man nötigt uns auch nicht mehr für unsere überdimensionalen Rucksäcke ein extra Ticket zu lösen. Wir haben jede Menge Platz und haben auch nicht mehr das Gefühl wie in einer touristischen Seifenblase durch die Gegend kutchiert zu werden, ohne Eintscheidungsfreiheit – “this is your bus, it costs…Baht” und ohne Platz für irgendwelche Gliedmaßen, die man vielleicht zufällig mit sich führt, wie Beine zum Beispiel. Im Ernst, ich bin ja nicht groß, aber im Minibus komme ich mir vor wie ein Riese der versucht sich bei den sieben Zwergen in den Wandschrank zu zwängen, weil der böse Wolf vor der Tür steht… Außerdem sind die Busse klimatisiert und irgendwie redet dort niemand mit niemandem, außer die Touris untereinander. Der local bus mag zwar alt sein, er hat natürlich keine Klimaanlage und die bunten Farben mit denen er bemalt ist blättern schon ab. Aber bei offenen Türen Bus fahren und den Fahrtwind im Gesicht spüren fühlt sich einfach viel mehr nach Urlaub an, als in einem bestuhlten Kühlschrank durch die Gegend kutschiert zu werden und dann einfach dort abgesetzt zu werden, wo der Minibusfahrer entscheidet, dass jetzt Endstation ist. 😉 So waren wir nämlich nach Kanchanaburi gelangt.

 

Wer jetzt denkt – “Kanchanaburi, das hab ich doch schon mal gehört”, der hat höchstwahrscheinlich den Film “die Brücke am Kwai” zu oft gesehen. Die berühmt-berüchtigte Brücke der “Death Railway” steht nämlich hier. Die Brücke ist allerdings völligst unspektakulär, eine stinknormale Metallbrücke und nichteinmal das Original, da das Original von den Alliierten zerbombt wurde. Dafür ist es irgendwie umso schockierender, dass beim Bau der Brücke wohl hunderttausende thailändische und malayische Kriegsgefangene Zwangsarbeiter ihr Leben gelassen haben, nur weil die japanischen Besatzer (bekanntermaßen die “Nazis Asiens” und als solche hier vielerorts bis heute gehasst vor allem, da sie diesen Teil der Geschichte geflissentlich ignorieren und sogar ihre “Kriegshelden” ehren), die Brücke statt in den veranschlagten fünf Jahren in wenigen Monaten (!) bauen wollten. Die Zugstrecke, deren Teil die Brücke am Kwai ist, und die Thailand und Myanmar verbindet, heißt also unter anderem deswegen “Death Railway“, weil so viele Menschen beim Bau dieser Bahnverbindung starben. Die Strecke sollte der Besetzung weiterer Länder durch Japan dienen, wurde letztlich aber von den Japanern zur Flucht ins burmesische Unterholz genutzt (was nichts genutzt hat). Aber genug von der Brücke, wir sind nämlich nicht wegen der Brücke hergekommen, sondern wegen der Elefanten.

 

Manch einer mag wissen, dass ich von kindesbeinen an ein großer Elefantenfan bin. Als solcher kam auch ich, wie viele andere, mit dem Gedanken nach Thailand hier auf einem Eefanten zu reiten. Allerdings währte dieser Gedanke nicht lang: In Ayutthaya haben wir einen Trekking-Elefanten gesehen, er schleppte sich lustlos dahin, sah sehr dünn und krank aus und war voller Aufschürfungen an Beinen und Körper. Der mahout (das ist der, der den Elefanten kontrolliert) hatte einen Stock mit einemm Haken dran, den er dem Elefanten offensichtlich in den Körper rammt, davon zeugten die vielen offenen Wunden. Wenig begeistert entschlossen wir uns, eine nicht-tierquälerische Variante zu finden, mit Elefanten in Kontakt zu kommen und ich begann “elefants in Thailand” zu googeln. Es folgte ein Abend voller Schock und Tränen (kein Scheiß) vor dem Internetz. Ich lernte, das das Rückrad von Elefanten durchaus nicht dafür gemacht ist große Lasten zu tragen. Ähnlich wie Zebras haben Elefanten ein rundes Rückrad und sind daher (anders als Pferde) grundsätzlich nicht zum reiten geeignet. Nicht nur das, das Tragen großer Lasten schädigt ihren Rücken sehr, die Wirbel bekommen Risse und das ist sehr schmerzhaft. Ein Elefant kann nur etwa 150 Kilo für weniger als eine Stunde am Tag auf seinem Rücken tragen. Allein der Trekkingsitz wiegt aber schon 100 Kilo, plus mahout und ein, zwei oder noch mehr Touris. Und die armen Tiere müssen damit teilweise bis zu zehn Stunden am Tag ununterbrochen umherlaufen. You do the math. Dazu kommt, dass Elefanten Tiere sind, die den ganzen Tag essen (wie Kühe), und daher idealerweise 18 Stunden am Tag mit Essen und schlafen verbringen sollten. Bei Trekkingtouren können sie das natürlich nicht tun und sie werden auch nicht genug gefüttert- ein ausgewachsener Elefant vertilgt am Tag ca. 200 Kilo Nahrung. Aber das schlimmste ist die Art, mit der in Thailand Elefanten dazu gebracht werden Menschen zu gehorschen. Die Praxis heißt “phajaan” und funktioniert wie folgt: Die Elefanten werden mit ca. 2 Jahren von ihren Eltern getrennt und angekettet. Dann werden sie mehrere Tage gefoltert, sprich man lässt sie hungern und verletzt sie kontinuierlich mit allerlei Gerätschaften und lässt sie nicht schlafen – so soll der Wille der Tiere gebrochen werden (leider auch kein Scheiß). Die armen kleinen Babbyelefanten schreien dabei oft wie am Spieß. (Wer mir nicht glaubt kann ja gern mal “phajaan” bei Youtube eingeben). Und es “funktioniert”, nach ein paar Tagen machen die Kleinen, was man will. Ich bin wirklich kein Tierschützer per se, aber das ist doch einfach furchtbar. Elefanten sind sehr sensible, vom aussterben bedrohte Tiere, und kein Tier hat es verdient so gequält zu werden! Außerdem altern Elefanten ungefähr so wie Menschen, sie werden bis zu 80 Jahren alt und werden im ähnlichen Tempo erwachsen wie Menschen. Ein zweijähriger Babyelefant entspricht altersmäßig also einem zweijährigen Kind. Vielleicht langweile ich euch jetzt, aber ich finde es wichtig diese Infos weiterzugeben, da der Tourismus hier eine große Rolle spielt, und ich denke viel weniger Leute würden Elefanten-Trekking und ähnliches machen, wenn sie wüssten, was dahinter steht und wie schlecht es den Tieren dabei geht. Das schlimmmste was ich in diesem Zusammenhang gehört habe ist, dass die thailändsichee Tourismusindustrie hier kaum Fortschritte macht. Im Gegenteil – seit die Grenzen nach Myanmar offen sind werden von der dort vorhandenen, letzten gesunden Population des asiatischen Elefanten, Babyelefanten gestohlen, die die Babys beschützenden Alt-Tiere werden alle (!) getötet, die Babys durchlaufen dann die Phajaan und werden dann nach Thailand geschmuggelt, nur um dort im Tourismus verwendet zu werden (unglaublicher Scheiß ist das!).
Also kein Elefanten-Trekking für uns. Stattdessen entschlossen wir uns einen der drei ethischen Elefantenparks Thailands – “elephants world” in Kanchanaburi – zu besuchen. Das hat uns eine ganz schöne Stange Geld gekostet, aber es war jeden Euro wert! Der Slogan dieses Parks ist “where we work for the elephants and not the elephants for us“. Und so ist es auch: Man füttert die Elefanten mit den Händen direkt in den Rüssel leckere Früchte, die man vorher für sie vorbereitet (schält wegen der Pestizide, zum Beispiel), man wäscht sie in einem Fluss, bereitet mehr Essen vor und darf dann mit ihnen baden. Dabei entscheiden die Elefanten worauf sie Lust haben – wenn einer nicht baden will, dann eben nicht. Die Helfer wissen genau, welcher Elefant was gerne isst. Die Bewohner von elephants world sind zumeist alte Elefanten. Ihre Rücken sind ganz gerade von jahrzehntelangem Trekking und der neueste Elefant ist ganz dünn und zeigt offensichtliche Anzeichen psychischer Störungen (konstantes hin und her wippen). Ich habe mich vorher genau informiert was Anzeichen für gesunde Tiere sind und die hier sehen soweit ich das beurteilen kann gesund und glücklich aus. Die Mahouts hier, darunter vier Aussteiger-Ausländer (farangs), kümmern sich liebevoll um ihre Elefanten (ein Mahout je Elefant). Zwei thailändische Mahouts sind sogar freiwillig hierher gekommen mit “ihren” Elefanten weil sie nicht mehr mit ansehen konnten, wie sehr sie beim Trekking gelitten haben. Andere wurden gerettet oder von NGOs freigekauft. Am Ende eines langen, anstrengenden, heißen Tages darf man kurz im Wasser im Nacken des Elefanten sitzen und zusammen mit ihnen baden wenn man möchte. Nacken und Kopf der Tiere sind sehr stark, dort verletzt man sie nicht und meiner hat mich (wie ich finde mit Absicht) mithilfe seines Rüssels mit Wasser bespritzt. Wir gehen mit einem großen Lächeln im Gesicht nach Hause. Das war ein wunderschöner Tag! 🙂

 

Gespannt, wie’s weiter ging? Als nächstes fuhren wir nach Koh Phangan!

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