BANG!BOOM!BANG! – BANGKOK!

Bangkok, Thailand
Schon beim ersten Schritt aus dem Flugzeug schlägt uns die feuchte Hitze ins Gesicht, wie Klitschko seinen Gegnern. Wir entscheiden uns trotzdem für die U-bahn – wir sind Backpacker, wir sind motiviert! Im Hostel nach etwa einer Stunde angekommen sind wir komplett durchgeschwitzt und völlig fertig, dabei sind wir nur ein paar hundert Meter gegangen. Unsere Rucksäcke sind sehr schwer und es sind 39 Grad bei gefühlten 300% Luftfeuchtigkeit.

 

Bangkok ist irgendwie modern und runtergekommen zugleich. Es gibt viele Wolkenkratzer, aber auch unglaublich viele Bauruinen mitten in der Stadt. Und am Fuße der Immobilienriesen findet man Asien, wie man es kennt: Laut, bunt, dreckig. Verkäufer, Tuktukfahrer, Verkäufer. Allerdings ist Thailand dem ersten Anschein nach deutlich besser organisiert als der Rest Asiens –  wohl deshalb bezeichnet man Thailand gern als “Asien-Light”. Alles ist hier auf Tourismus eingestellt, U-bahntickets zu erwerben ist so einfach, das könnte ein Dreijähriger erledigen. Es gibt extra Simkarten für Touristen, die auf drei verschiedene Netze zugreifen können. Viele sprechen jedenfalls ein bisschen Englisch. Wir sind in Thailand!
Die Hitze macht uns zu schaffen, wir sind müde und kaputt, auch von den Anstrengungen der letzten Wochen, und beschließen erstmal aus der Stadt zu fliehen. So fahren wir nach Ayutthaya, der ehemaligen Hauptstadt von Thailand. In Ayutthaya überrollt uns vor allem eines – unglaubliche Hitze. Es sind schwüle 38 Grad, die Sonne ist unbarmherzig, als wir unzählige Khmer-Tempelanlagen anschauen. Die Tempelruinen hier erinnern an Angkor Wat, “Wat” scheint auf Thailändisch “Tempel” zu heißen (auf kambodschanisch (??) dann auch?). Wir raffen uns zum Sonnenuntergang nochmal auf Wat irgendwas im gleißenden Sonnenuntergangslicht zu sehen. Es lohnt sich! Der Anblick ist unglaublich und ich frage mich welche uns unbekannten Hochkulturen diese Tempel gebaut haben und zu welchem Zweck. Die (oft – pardon – phallusartigen) Türme sollen Macht signalisieren (interessant!hehe) – das tun sie bis heute irgendwie noch, obwohl ihre Erbauer und deren Nachfahren längst nicht mehr an der Macht sind. Danach geht es geradewegs zurück in den Hotelpool.

 

Zurück in Bangkok stürzen wir uns in das berühmt-berüchtigte Bangkoker Nachtleben. Ich habe ehrlich nicht viel erwartet, von Touristraßen voller teurer Bars halte ich generell nicht so viel. Aber Khao San Road ist anders. Vorsichtig tasten wir uns ran und trinken ein Bier in einer der ersten Bars…die Toiletten sind unterteilt in “men and gay men” und “women and lady boys“. Die Thailänder sind extrem offen. Der Lonely Planet beschreibt das in der Rubrik “gay bangkok” so: “Bangkok is so gay, it makes San Francisco look like a little conservative town in Texas”. Das kommt so ungefähr hin, aber das gilt nicht nur für Bangkok. Auch in Ayutthaya, immerhin ja eher eine Kleinstadt, wurden wir im Hotel von einem Ladyboy (oder einer hübschen Frau mit einer extrem tiefen Stimme…wer weiss ;P) bedient. Ladyboys sind nicht unbedingt schwul, das dachte ich immer. Sie sind oft verheiratet und leben ein “normales” Leben, kleiden sich aber als Frau. Sie sind auch nicht transsexuell glaube ich…ich bin mir nicht sicher, das Konzept ist mir jedenfalls neu. 😉 Die Thailänder scheinen sich aber nicht daran zu stören. Angeblich sehen sie Sex weniger romantisch als wir Westler….so habe ich das noch nie gesehen, aber wahrscheinlich stimmt das. Wir sehen Sex wohl als etwas sehr romantisches an, als etwas, dass idealerweise, wenn auch nicht notwendigerweise, mit Liebe verbunden ist. Angeblich rührt von dieser unromantischen Sichtweise der Thais auch der lockere Umgang mit der Prostitution…
Khao San Road ist eine Straße wie jede andere es sein könnte, Bar an Bar reiht sich die Straße entlang, in der Mitte suchen Ramsch- und Kleidungsverkäufer in ihren Verkaufsständchen nach Opfern. Wir landen schließlich in einer Bar die den schönen (uns letztlich überzeugenden) Namen “strong cheap drinks, we do not check ID bar and restaurant” trägt. Zusammen mit zwei Kanadiern aus unserem Hostel, die wir hier zufällig treffen, vernichten wir in der schwülen Hitze mehrere buckets (kleine Eimerchen) Cocktails unter freiem Himmel und plötzlich explodiert die Stimmung: Ein tuckige Schwuler an einem Tisch voller Frauen (wie sollte es auch anders sein) fängt an zu tanzen, die Mädels mit ihm. Er reißt sofort einge Andere mit und fängt dann an immer mehr Leute aus dem Laden aufzufordern mitzumachen…so auch mich. Plötzlich vibriert die Bar, der oldschool HipHop strömt hart und bassig aus den Lautsprechern, Lieder die ich noch aus Schulzeiten kenne, alles shakt und wackelt was es kann, der ganze Laden tanzt und kreischt, jeder Einzelne macht mit, Passanten bleiben vor der Bar stehen, es bildet sich eine Traube von Zuschauern, wie bei einem Straßenkünstler, und immer mehr Partygäste strömen in den offenen Barbereich. Bang!Bang!Boom!Boom!Bangkok! Vor der Bar steht ein Ladyboy  mit einem Pappschild und der Aufschrift “laughing gas”, ein alter, runzliger Mann verkauft gegrillte Skorpione, mein Freund und Matt (der eine Kanadier) stacheln sich gegenseitig an einen zu essen. Später kann sich Timo nicht mehr erinnern wie er geschmeckt hat…aber darum ging es nicht. Es ist nicht wie ein Rausch, es ist ein Rausch. Urlaub! Wir haben jetzt 4 Monate frei! Ich kann es noch nicht fassen!

 

Das Käterchen am nächsten Morgen bei mir ist bei Timo ein ausgewachsener Tiger. Einen Tiger im Bad haben wir trotzdem nicht, schade eigentlich. Wir bleiben im Hotel und planen unseren Trip, schließlich haben wir noch keine Ahnung, wir hatten keine Zeit irgendwas über Thailand zu lesen. Am Sonntag dann besuchen wir einen Floating market, einen schwimmenden Markt. Sie Stimmung ist entspannt, es ist frühmorgens, wir haben es jetzt ein bisschen besser raus, wann man was machen sollte, bei dieser Hitze. Sie Stimmung bei den Thailändern ist ausgelassen, es gibt nicht viele Touristen hier, thailändische Musik strömt aus Lautsprechern auf long boats und rundliche Thailänderinnen tanzen hüftschwingend auf vorbeifahrenden Booten. Ich bin ein bisschen enttäuscht, da ich dachte, die Ware würde aus Booten angeboten (sozusagend angebooten), was nicht der Fall ist.  Aber es ist trotzdem schön. Wir nehmen uns auch ein Boot und lassen uns gemütlich durch die Gegend kutschieren. Dann müssen wir los, wir haben einen Kochkurs gebucht. Obwohl ich nicht so der Koch bin macht es mir viel Spaß, und das Selbstgekochte schmeckt ausgezeichnet. Und da hatte ich mir Sorgen gemacht, mir könnte das Essen in Thailand nicht schmecken! Das zeigt mal wieder: Es lohnt sich nicht, sich über irgendwas zu sorgen. Hach, das Leben ist schön! Aber wir müssen dennoch hier weg…der Weg ruft! 🙂

 

Unterkunft Bangkok: LubD (1. Nacht), Cooper
Unterkunft Ayutthaya: Tony’s Place
Lust auf Thailand? Lies hier (Petchaburi, Kanchanaburi und Koh Tao), hier (Koh Phangan), hier (Khao Sok) und hier (Koh Lanta) wie es in Thailand weiterging!

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