Des Sultans viele Frauen

Yogjakarta, Java, Indonesien
Drei Nächte bleiben wir in Yogjakarta, um etwas runter zu kommen und um uns die vielen Sehenswürdigkeiten anzukucken, die “Yogja”, wie man es hier nennt, zu bieten hat. 

Unsere erste Anlaufstelle ist der Wasserpalast mit der unterirdischen Moschee. Trotz aller Warnungen sind wir naiv und haben bald einen Guide (Fremdenführer) am Bein, der uns vom geschlossenen Sultanspalast (in den wir eigentlich wollten) zum Wasserpalast bringt. Warum der Wasserpalast heißt leuchtet mir auf den ersten Blick nicht ein – jedenfalls liegt er weder im Wasser noch ist er von Wasser umgeben – im Gegenteil alles sieht sehr trocken aus. Unser aufdringlicher Guide erweist sich bereits hier als hilfreich, er erläutert dass hier früher überall Wasser gewesen sei, dort wo jetzt Wohnhäuser den Palast einschließen, sei alles überflutet gewesen. Daher sei auch die Moschee Unterwasser gewesen, jetzt ist sie es aber eben nicht mehr. So ganz will mir das immer noch nicht einleuchten, liegt die Moschee doch dem Anschein nach nicht tiefer als der Rest des Palastes, aber ich belasse es dabei. Dann erzählt der Führer, dass der Sultan, der den Palast erbaut hat, 30 Frauen und 80 Kinder hatte. Daher hatte er auch drei Swimmingpools – einen für die Frauen, einen für die Kinder und einen für sich. Das Kinderbecken dürfte an heißen Tagen ganz schön überfüllt gewesen sein, besonders groß sind die Becken nämlich nicht.

Von den 30 Frauen waren vier seine Ehefrauen und 26 gehörten zum Harem. Der heutige Sultan hingegen – der arme Mann – hat, ganz modern, nur noch eine Frau und fünf Töchter. Da er keinen männlichen Nachfahren  hat, möchte er, dass seine älteste Tochter Sultan wird. Das mögen weder seine Brüder – die nämlich nach der Tradition regieren würden, noch – so der Guide – die Bevölkerung. Frauen sind als Sultan nunmal nicht vorgesehen, meint der Guide, denn der Islam schreibt vor, dass der Mann das Sagen habe (wenn man das nur ändern könnte! ;P). Das auch eine Frau in Indonesien Präsidentin werden könnte, damit hat er allerdings kein Problem, das sei was anderes. Das Problem hat in Yogjakarta auch besondere Bedeutung, da dieser Bezirk keinen eigenen Minister wählt, wie es sonst überall in Indonesien der Fall ist, sondern einfach der Sultan den Bezirk vertritt. Verwirrt verlassen wir den Sultanspalast und fahren zum Pasar Ngasem, dem Vogelmarkt.

In Indonesien ist es ein Statussymbol sich einen Vogel zu halten und in Yogja ist einer der größten Vogelmärkte überhaupt. Zehntausende Vögel zschirpen hier um die Wette, manche zu Dutzenden in kleine Metallkäfige eingesperrt, manche mit viel Platz allein in einem Käfig. Und es gibt hier alle Arten von Vögeln: Tausende bunte Singvögel, Kanarienvögel in allen Formen, Farben und Größen, Eulen, super niedliche Eulenküken, Hühner und Hähne, insbesondere einen riesigen, vollkommen schwarzen Hahn unter einem Bastkorb, der so schwarz ist, dass man kaum erkennen kann, wo vorne und hinten ist. Auch mehrere Raben gibt es, die angeblich für schwarze Magie “genutzt” werden – wie auch immer das aussehen mag. Daneben sehen wir Fledermäuse (!), Katzen (eine weiße mit einem strahlend grünen und einem strahlend blauen Auge), Echsen von 5 cm bis 50 cm Größe, Fische, Hasen, am Käfig (gottseidank) festegeklebte, obereklige und sonderbar aussehende Spinnen, einen Waschbär, Schlangen, darunter eine mehrere Meter lange und etwa 40 cm breite Würgeschlange und einen käfig voller Flughunde (!). Irgendwie fehlen mir in der Sammlung Schildkröten, aber wer weiss was dahinter steckt. Neben den Tieren kann man auch ihre Nahrung kaufen – an einem Stand packt eine Verkäuferin mit der bloßen Hand mehrere händevoll lebende Heuschrecken in eine Papiertüte – und auch Maden und andere lebende Insekten gibt es käuflich zu erwerben. Ich bin hin und hergerissen zwischen Erstaunen und Erschrecken. Hier kann man eine Vielfalt an fliegenden Tieren sehen, da erblasst jeder deutsche Zoo vor Neid. Andererseits sieht manches hier stark nach Tierqäulerei aus: Fledermäuse und Flughunde fühlen sich in der prallen Sonne vorsichtig ausgedrückt nicht unbedingt wohl und wirken mehr als gestresst, die Katzen mautzen in ihren kargen Käfigen, dass es einem geradeheraus das Herz bricht und die Raben sehen aus als planen sie im geheimen den Ausbruch oder mindestens als verfluchten sie einen. Andererseits – die vielen Vögel in einem Käfig, das wird glaube ich in deutschen Zoohandlungen auch nicht viel anders gehandhabt- allerdings bin ich da kein Experte, da ich mich normalerweise nicht für Vogelhaltung interessiere. Nachdem eine besonders schöne Katze Timo syrenenartig und besonder herzbrecherisch anmautzt und ich schon am überlegen bin ob ich die Flughunde kaufen (und freilassen) soll, weil ich die so cool finde, suchen wir schnell das Weite.

 

Als nächstes geht es zum Prambanan Tempel. Wir haben wieder denselben Fehler gemacht und sind mit der Masse gegangen (man darf hier nicht dem Lonely Planet glauben merken wir jetzt!) – morgens soll es hier menschenleer sein, aber jetzt, spätnachmittags, drängen sich Massen von Menschen auf dem Gelände und in die kleinen Tempel, deren Türen kaum eine Personn fassen, raus und rein. Dieser Hindutempel ist einer der größten Südostasiens und bestand ursprünglich aus 244 (!) Tempeln, von denen aber viele mittlerweile zerstört sind. Er stammt aus dem 9. Jahrhundert und ist mit seinen unzähligen Steinfiguren ziemlich eindrucksvoll. Es gibt einen Bhrama, einen Shiva und einen Krishna Schrein, und auch Durga ist eine Nische gewidmet. Die Bevölkerung glaubt aber das hier nicht Durga dargestellt ist, sondern, dass das eine Jungfrau sei, die versteinert ist, als sie den Mann nicht heiraten wollte, der für sie ausgesucht wurde. Über die Vorbildfunktion dieser Frau denke ich lieber nicht genauer nach.

 

Lieber bleibe ich abends noch zum Ramayana Ballett mit der Tempelanlage als Kulisse. Massen von Schulklassen strömen auf die billigsten Ränge und es herrscht eine mehr als aufgelöste und äußerst heitere Stimmung im Theater, kurz bevor die Aufführung los geht. Ramayana ist die Geschichte vom Prinzen Rama, der auszieht um Dämonen zu besiegen und dabei erst eine Prinzessin gewinnt und heiratet, die ihm dann gestohlen wird, bis er sie dann befreit und wieder gewinnt. Die Geschichte ist ein indisches Nationalepos und tausende Jahre alt.
Aber das habe ich im Nachhinein gegooglt- zwischen drin habe ich kaum was verstanden und auf Steinbänken und mit Massen von Mücken sind drei Stunden eine lange Zeit. Ich sitze dritter Klasse,  was völlig ausreichend ist, wenn man früh kommt und sich einen guten Platz sichert, jedenfalls kann ich gut sehen, aber Steinbänke sind halt Steinbänke. Die bunten Kostüme sind schön, aber die irre Musik mit sehr viel Schellen ist nicht so mein Ding und ich bin etwas enttäuscht, dass es außer der Tempelanlage keine Kulisse gibt – ich hatte mich auf bunte kitschige Deko gefreut. Und so erlöst mich der Applaus am Ende. Aber auf der Heimfahrt komme ich nicht umhin zu denken, dass Kunst so sehr mit der jeweiligen Kultur verwoben ist, dass man die Kunst einer so anderen Kultur ohne Erläuterung kaum verstehen kann.

 

Unterkunft: Pandanaran Hotel (das neue)
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