Home Sweet Beijing: Hühnerfüße to Go

August 2016, Beijing, 12:00 Uhr. Die Frisur hält. Der Sommer ist heute gnädig mit uns, es ist nicht ganz so heiß wie an den letzten Tagen. Mein Kumpel ist arbeiten und mir ist langweilig, daher beschließe ich die gegenüberliegende halbfertige Mall einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Zunächst sehe ich im „With Wheat“ nach, ob die dort verkauften Backwaren zu etwas zu gebrauchen sind. Sieht erstmal nicht so aus – mit Huhn und Walnüssen gefülltes „Brot“, nein danke. Zielstrebig gehe ich am Dunkin Donuts vorbei, ich will gar nicht wissen, wie günstig die Donuts hier sind. Dann finde ich einen halbwegs günstigen Klamottenladen, der auf den ersten Blick vielversprechend aussieht. Ich schnappe mir einen kurzen gemusterten Rock in Größe „L“ und verschwinde in der Umkleidekabine. Ich trag zwar in Deutschland S oder M, aber hier musste ich schon immer größere Größen kaufen. Wie erwartet ist „L“ zu klein. Ich bitte einen Angestellten mir einen größeren Rock zu bringen, er verneint jedoch und sagt es tue ihm leid. Das sei die größte Größe. Das verwundert mich nun schon. In all den Jahren, die ich schon hierher komme, bin ich trotz Gewichtszunahme größentechnisch von XXXL auf XL „geschrumpft“, während viele von den Chinesinnen mittlerweile auch recht proper sind, und längst nicht mehr die kindlichen Maße besitzen wie noch Anfang der 2000er. Eigentlich sollte es jetzt größere Größen geben als früher. Frustriert probiere ich im nächsten Laden gleich gar nichts an. Das warme Wasser, was mir die Verkäuferin reicht, nehme ich allerdings trotzdem gerne. Leider folgt sie mir durch den ganzen Laden auf Schritt und Tritt und wiederholt immer wieder, wie gut ich doch Chinesisch sprechen würde. Na klar, die drei Sätze die ich sagen kann, die kann ich auch richtig aussprechen. 😉 Nach einem Zwischenstopp in einer Art japanischer Drogeriemarktkette, beschließe ich, mir eins der leckeren Baguettes beim Bäcker am Ende der Mall zu kaufen. Leider ist dort, wo der Bäcker war, plötzlich eine Baustelle. Also zurück in die Mall und nun nehme ich die anderen Stockwerke in Augenschein, vielleicht finde ich ja doch noch etwas Interessantes. Neben einem Fitnessstudio für Klein(!)kinder (wtf?) und einem Food Court gibt’s weiter nicht viel zu sehen. Die Auslage vor einem der Restaurants mit Plastikschachteln zum Mitnehmen schaue ich mir der Neugier halber mal an. Statt Sandwiches und Salaten gibt’s hier frittierte Hühnerfüße, fein säuberlich in einer Schachtel aufeinandergelegt. Ich stelle mir vor, wie sich das bei uns beim Imbiss anhören würde: „Einen Döner mit scharf und Pommes Schranke …ach ja und drei von den Hühnerfüßen bitte. – Zum Mitnehmen? – Nein, nein, so auf die Hand, die esse ich gleich.“ Zum Mittagessen gehe ich dann doch lieber in die nächste Mall.

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Mittagspause auf Chinesisch

Dort angekommen wage ich mich im Keller in einen mir unbekannten aber gut besuchten Schnellimbisses, der Dinge serviert, die auf Fotos abgebildet sind. Das gefällt mir gut und erleichtert die Bestellung ungemein. Ich zeige nach oben und sage „Sezhuan Nudeln“ auf Chinesisch. Die Kassiererin, die natürlich hinter dem Schild steht, kuckt mich fragend aber freundlich an und bedeutet kurzerhand der neben mir stehenden Frau vorzulesen, worauf ich zeige. Die neben mir stehende Frau sagt freundlich zur Kassiererin „Sezhuan Nudeln“, was die Kassiererin mit einem freudigen „Ach so“ quittiert, und ich muss mir ein Lachen verkneifen. Während ich warte, ruft jemand aus einem Lautsprecher laut und blechern Zahlen auf, das scheint hier aber niemanden zu stören. Die Nudelsuppe erfüllt jedoch leider nicht meine Erwartungen. Zunächst einmal ist oben etwas draufgestreut, das ich beim besten Willen nicht zuordnen kann. Es könnten trockene Teekrümel sein, vielleicht sind es aber auch geschredderte, getrocknete Schlangenteilchen? Ich bin mir nicht sicher, probiere aber tapfer die Nudeln und die Erdnüsse (den Schlangenkram lasse ich vorsichtshalber weg). Die Nudeln schmecken nach gar nichts, die Erdnüsse alt. Die Suppe hat einen leichten Fischgeschmack im Abgang. Na toll, Ich hasse Fisch. Ich lasse die Suppe stehen und stapfe zum Pommesladen…. Ich bin ja neugierig, aber das waren für heute genug Experimente.

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Auf dem Weg zum Fitness-Studio fährt mich ein Junge auf einem Segway fast um. Mann, werden die in ein paar Jahren hier alle fett sein! Da helfen auch die vielen neuen Fitness-Studios nicht, in denen ich beobachtet habe, wie neureiche Fitnessfaule sich von ihrem Fitnesstrainer dehnen lassen. Ganz recht, „lassen“, selber dehnen wär ja zu anstrengend. Ich falle vor Lachen fast vom Laufband, als ich das beobachte, aber das ist nicht weiter ungewöhnlich, das Laufband wird nämlich sowieso ständig schneller und langsamer wie es will – so wie im Film „Lost in Translation“. Ich nehme an das ist der Herausforderungs-Modus. Zurück im Wohnkomplex sitzen jetzt wieder wie jeden Abend allerhand Menschen auf kleinen Plastikhöckerchen und spielen Karten. Das gefällt mir. Nur weil man jetzt in Hochhäusern wohnt, heißt das ja noch lange nicht, dass man nicht im Schlafanzug auf der Straße ein bisschen Glückspiel betreiben kann. Beijing Wunderwonderland! Immer wieder gerne!

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