Singapur Sling

Singapur
Es ist merkwürdig so nach Singapur einzureisen. Wir fahren mit dem Bus bis an die Grenze, dann rennen wir zum Schalter. Stempel. Plompf, plompf. Ausreise. Zurück zum Bus rennen. Uns wurde gesagt, die Busfahrer warten nicht lange, man müsse sich beeilen. Wir fahren ein Stück weiter mit dem Bus. Wieder zum Schalter. Plompf, plompf. Und wir sind drin. Zurück im Bus merke ich, dass ich doch aus Versehen Kaugummis eingeführt habe, was verboten ist. Dabei habe ich krampfhaft die ganze letzte Woche versucht die guten Extra Kaugummis aufzuessen. Ich lasse die Kaugummis heimlich im Mülleimer des Busses verschwinden. Nicht mehr mein Problem…

Der Bus fährt um die Ecke und plötzlich fahren wir auf hunderte glitzernde Hochhäuser zu. Wir sind in Singapur! Auf dem Weg in die Stadt sehe ich tatsächlich nur drei Mal Müll am Straßenrand rumliegen: Eine Coladose, eine Plastiktüte und ein Taschentuch.

Singapur ist wirklich die sauberste Stadt, die ich jemals gesehen habe, schon hier.  Aber ich bleibe skeptisch, ich finde die Singapurianer sind etwas übers Ziel hinaus geschossen: 1000 SGD (umgerechnet etwa 670 Euro) für Kaugummi kauen?
Unsere erste Handlung in der neuen Stadt ist die Suche nach so einem kleinen Mückenstich-Elektroschocker (gegen Mückenstiche) wie ihn die nette ältere Engländerin in Melaka hatte und Hustensaft, da sich meine kleine Klimaanlagenerkältung aus Kuala Lumpur mittlerweile zu einem ausgewachsenen Husten entwickelt hat. In der Nähe unseres Hostels gibt es ein 24- Stunden Shopping Center für alles wurde uns gesagt, also pilgern wir um 22 Uhr dorthin. Das Mustafa Center ist ein indisch-singapurianisches Kaufhaus der Superlative, überwältigendes geordnetes Chaos pur. In zwei Häusern und auf fünf Stockwerken in die Höhe und vier in die Tiefe gibt es hier jeden Tag im Jahr zu jeder Zeit alles zu kaufen: Lebensmittel, Kleidung, Arzneimittel, Technik, Campingsachen, Kosmetik, Spielzeug und und und. Durch die viel zu engen Gänge drängen sich ganze indisch aussehende Großfamilien mit Einkaufswägen voller Spielzeug, Lebensmitteln und Kindern. Wir suchen eine Stunde lang in vier verschiedenen Abteilungen nach unserem Minielektroschocker, aber werden nicht fündig. Dafür finden wir einen überdimensional großen Fernseher von geschätzt zwei Meter Bildschirmdiagonale (den wir leider zurücklassen müssen) und – immerhin – Hustensaft. Froh diesen Wahnsinn verlassen zu können gehen wir erschöpft “nach Hause” in unsere Podbetten (neuartige Doppelstockbetten wie in einem Schrank – sieht bisschen aus wie bei das fünfte Element ;P).
Am nächsten Morgen brechen wir mit unserem amerikanischen Zimmergenossen Dakota zu einem Stadtrundgang zu Fuß auf. Singapur ist teuer und laufen kostet nichts. 😉 Der Rundgang beginnt am National Museum of Singapore, wo zufällig eine Hommage an Lee Kuan Yew ausgestellt wird, den Gründervater des Staates Singapurs (der eigentliche Gründer der modernen Stadt Singapur war der Brite Thomas Stamford Raffles). Wir haben von Mr. Yew vorher zugegebenermaßen noch nie gehört und sind umso erstaunter darüber, dass er sein Lebenswerk dieser Stadt gewidmet hat. Die strengen Gesetze im Bezug auf Sauberkeit etc. entstammen beispielsweise seiner Ideen und er wird als derjenige der das heutige Singapur erschaffen hat geradezu geheiligt, als ob er das im Alleingang vollbracht hätte. 2013 ist er gestorben und ich bin gespannt, ob das auf lange Sicht zu Änderungen führt. Nach den extrem interessanten modernen Kunstausstellungen im Singapore Art Museum geht es weiter zu Fuß durch einen Stadtteil mit alten sehr schönen Kolonialgebäuden (z.Bsp. der Cathedral of the Good Shephard) und vorbei am Raffles Hotel,  einem Luxushotel benannt nach dem oben erwähnten Gründer.
 
Als wir gegen Abend am Hafen ankommen strömen Unmengen junger Leute in Richtung lauter Technomusik (Anmerkung der Redaktion (= Timo): keine Technomusik sondern Kirmestechno) und wir beschließen spontan zu folgen. Am Eingang stellen wir allerdings fest, dass diese “Party” 180 SGD kostet  – etwas mehr als unser Backpacker Budget hergibt 😉 – und so schlendern wir lieber in die Gardens by the bay (Gärten in der Bucht). Just in dem Moment in dem wir dort ankommen beginnen die täglichen kostenlosen Lichterspiele der  sogenannten Supertrees (Superbäume). Zu bekannten Filmmusiken und klassischer Musik werden die “Bäume” in allen Farben erleuchtet und ich fühle mich wie Alice im Wunderland, die gerade dem Karnickel in das Baumloch gefolgt ist und nun staunend im Wunderland steht. Einfach wunderschön! Wir setzen uns auf den Rasen und genießen.

 

 
 
 
 
 
 

Später schlendern wir weiter durch den auch ansonsten sehr schönen Park, und dann über die als Helix bekannte Brücke in der Form der bekannten DNA-Doppelhelix durch den Hafen und entlang der Esplanade,

bestaunen aus der Ferne das berühmte Marina Bay Sands Hotel und landen schließlich an der seltsamen Figur eines Löwenkopfes mit deinem Fischschwanz die aus irgendeinem Grund ein Wahrzeichen Singapurs ist. Hier ist das Timing ebenfalls wieder super und wir sind gerade rechtzeitig für die ebenfalls täglich kostenlose Lasershow des Marina Bay Sands angekommen, die ich allerdings nicht annähernd so schön finden, wie die erste Show, obwohl die Laser über die ganze Stadt zu leuchten scheinen.

Da wir uns in unserm abgerissenen Backpacker-Aussehen hier an einem Samstagabend nicht in eine Rooftopbar trauen (da wir uns die Scham ersparen wollen nicht rein gelassen zu werden) kehren wir müde, kaputt und ohne einen Singapur Sling getrunken zu haben ins Hostel zurück.

 

Am nächsten Tag schlafen wir erstmal aus, beschließen dann aber mit der bewährten Reisegruppe, sprich: Timo, Dakota und ich, China Town und Arab Street zu erkunden. Als erstes besuchen wir den Buddha Tooth Relic Temple, finden aber nicht heraus warum er Tooth-tempel heisst, jedenfalls finden wir dort keinen überdimensionalen Zahn oder ähnliches und finden ihn auch sonst nicht weiter spektakulär. China Town ist ansonsten wie China Town immer in allen Städten ist – nur erstaunlicherweise sauber, wenn auch etwas schäbiger als der Rest Singapurs. Es gibt dort verrückte, dunkle Essensmärkte, natürlich nicht auf der Straße wie sonst überall in der Welt, sondern fein säuberlich in einem Gebäude versteckt. Das Gebäude sieht aber aus, als ob es die Behörden nicht interessiert, was darin vorgeht – so wie wenn man alles kreuz und quer in eine Schublade schmeißt, damit das Zimmer ordentlich aussieht.
Ansonsten ist Singapur aber tatsächlich wie geleckt, die Ubahn ist so sauber, das man vom Boden der Waggons essen könnnte. Die ganze Stadt strahlt Geld aus, die Verkehrsmittel, die Straßen, die Häuser, die Leute. Die Menschen sehen hier so chic aus – ausnahmslos in teure Marken gekleidet – dass ich mir richtig dreckig vorkomme in meinem funktionalen (ergo: hässlichen) Backpackeroutfit. In der Arab Street wird dieses Gefühl besonders schlimm. Hier kann man für vergleichsweise wenig Geld (20 Euro) in chicen Boutiquen shoppen, die Straße selbst und die umliegenden Straßen sind architektonisch bestens manikürt und das Ambiente ist something else. Nur kleine arabische Essensstände vermissen wir…aber naja wir sind eben auch nicht im Orient.
Den restlichen Tag (also den Abend) verbringen wir damit zu planen wie wir weiterreisen. Da wir mittlerweile festgestellt haben, dass Indonesien riesig groß ist, verwerfen wir nach langer Diskussion schweren Herzens unseren Plan auf unserer Reise nicht zu fliegen und buchen einen Billigflugg nach Jakarta. Damit lassen wir Sumatra aus, aber man kann eben nicht alles sehen.  Und so verlassen wir Singapur erwartungsvoll mit Blick auf den riesigen Inselstaat Indonesien.
Unterkunft: Rucksack Inn

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