Eins zu Null

Gili Inseln, Indonesien
Von Bali gehts auf die Gili-Inseln und wir haben sogar einen vergleichsweise günstigen Weg gefunden – für “nur” 140.000 Rupiah (knapp 9 Euro) werden wir von zu Hause abgeholt und mit dem Speedboat in etwa anderthalb Stunden auf die größte der drei Inseln – nach Gili Trawangen aka “Gili T” geschippert. Auf Gili T angekommen trifft uns erstmal der Schock – von Ruhe und Paradies keine Spur, die Insel ist völlig unaufgeräumt, ziemlich vollgemüllt und der Strand haut uns auch nicht gerade von den Socken, da das einzig schöne und zum Baden geeignete Stück völlig zugebaut ist. Außerdem wird die kleine Insel von “Pauschalhippies” (das Wort habe ich von Said gelernt, s.u.) geradezu überrannt. Nach stundenlange Hotelsuche landen wir in einem relativ schicken, kleinen Hotel (nur 2 Zimmer), ein bisschen zu nahe an der Moschee. Das sollen wir noch bereuen. 
Abends essen wir auf dem Nachtmarkt, Timo überschlägt sich vor Freude beim Anblick des frischen Fisches der dort für wenig Geld gegrillt wird. Für mich ist das eher wie der Friedhof der toten Kuscheltiere und ich falle – wie so oft- auf Nasi Goreng zurück.
Um 4:30 Uhr ertönt der Gesang des Muezzins gut hörbar in unserem Hotelzimmer, was Timo aber damit kommentiert, dass es diesmal nicht so schlimm sei, weil dieser habe wenigstens eine schöne Stimme (???) – darauf kann ich nur Stirnrunzeln erwidern. Mit geräderten Augen verfolge ich dann etwas später die Konversation des Tages zwischen Timo und einem Hotelangestellten.
(Vorhang auf.)
Timo: “When is breakfast?” – Antwort: “Yeah.”
Timo: “Yes, but until when?” – “Yeah.”
Timo: (Zeigt auf sein Handgelenk). “Yes, but until when is breakfast?” – “Yeah. Pancake.”
(Hasserfüllter Blick von Timo).
(Ab.)
Wenig später werden uns zwei Pfannkuchen serviert.
Timos schreibt darauf hin seine mentale to-do-Liste für heute:
1. Versuchen der Staff beizubringen, dass er morgen keinen Pancake frühstücken möchte.
2. Dem DFB einen Hass-Brief schreiben.
Gestern hat er nämlich versucht DFB-Pokal-Finale zu schauen, aber die Bundesliga wird nicht nach Indonesien übertragen, nur die doofe englische Premier League. Also ist er umsonst bis 3 Uhr nachts aufgeblieben.
Da wir Gili T, wie man es hier nennt, trotz einzelner schöner Ecken auch nach Inselumrundung zu Fuß alles andere als paradiesisch finden flüchten wir uns alsbald nach Gili Meno.
Schaukel im Meer auf Gili T
Gili Meno erfüllt zumindest meine Vorstellungen von Paradies schon sehr viel mehr. Kristallklares, türkisfarbenes Wasser, trifft vollkommene Ruhe: Keine Autos, keine Mopeds, keine Pferdewagen, keine Mücken, keine Affen, keine Hunde, keine Hähne, überhaupt keine Tiere, keine Pauschalhippies und in unserer Hörweite keine Moschee – kein Lärm. Der Strand ist allerdings zum Baden eher ungeeignet, da voller toter Korallen – zum Baden sind daher Badeschuhe empfehlenswert – die wir nicht haben. 😉 Wir schnorcheln hier am turtle point, der direkt vor dem Strand unserer Unterkunft liegt, und ich sehe auch sofort eine riesige Schildkröte vorbeischimmen.
Liegeflächen vor der Unterkunft und Blick aufs Meer
Da es für mich das erste Mal schnorcheln ist, finde ich es allerdings etwas gruselig so da draußen rumzuschwimmen, ohne Boot oder Schwimmweste oder sowas, daher verbringe ich die meiste Zeit auf Gili Meno damit auf den erhöhten Liegeflächen unserer Unterkunft zu liegen, aufs Meer zu schauen, das hervorragende Essen zu essen und zu lesen.
Dann lernen wir noch Said kennen, einen Deutschen, der in Jakarta arbeitet und hier das Wochenende entspannt. Mit Said trinken wir ein paar Bier, reden über Indonesien,

 

Deutschland, Reiseziele und das (Expat-)Leben und er lacht uns aus vollem Herzen aus, als er hört was wir uns in Jakarta angeschaut haben. Wir lachen mit. Jakarta fühlt sich so weit weg an von dieser friendlichen Insel….

 

 

Einen Tag später müssen wir auch schon auf die nächste Insel – nach Lombok, denn ich muss mein Visum verlängern, ich bin bald einen Monat in Indonesien – unglaublich! Auf Bali wollte ich nicht verlängern, denn dort dauert es 7 Tage und man muss dreimal hin – in Mataram, Lombok sind sie da schneller. Said nimmt uns netterweise mit seinem Fahrer mit nach Mataram und so ist die Reise deutlich angenehmer als sonst (keine mitfahrenden Hühner). Während der Fahrt erklärt uns der Fahrer stolz, Lombok sei DIE Insel der Moscheen – über 1500 gäbe es. Wir sind not amused. 
  
Mataram ist für Indonesiens Verhältnisse eine kleine, gemütliche Stadt. Unser Hotel ist dafür erstaunlichweise mit Andy Warhol Prints und modernen Möbeln ausgestattet – das Andy Warhol Sandwich ist ein besonderer Traum. Vor der Ausländerbehörde hängt ein Schild, wie man sich drinnen kleiden sollte – keine kurzen Hosen, keine Flipflops, keine schulterfreien T-shirts. Ich wusste das vorher und habe mich im Interesse der Beschleunigung des Verfahrens in einen traditionellen Sarong (als langen Rock) und ein dazupassendes Tshirt geworfen. Es hilft aber leider nix- abholen kann ich das neue Visum erst 2 Tage später. Auf dem Rückweg von der Behörde lerne ich einen alten Lehrer kennen, der ein bisschen Englisch spricht und allerhand Konversation über dies und das mit mir führt von dem ich weniger als die Hälfte verstehe.
In Kuta, Lombok finden wir dann endlich die paradiesischen Badestrände, die wir solange gesucht haben. Weißer weicher Sand, palmengesäumt, glasklares Wasser und überschaubare Menschenmengen.
Mawi Beach, Tanjung Aan und Selong Belanak sind unsere Lieblingsstrände, Kuta selbst ist nicht so der Hingucker.
Mawi Beach, Lombok
Dafür macht die Fahrt mit dem Moped zu den Stränden umso mehr Spass – durch Dörfer und Reisfelder hindurch, vorbei an Lastwagen, auf denen sich Schüler drängen wie Vieh und vorbei an den immerpräsänten Feldarbeiterinnen mit den bunten, spitzen Hüten.
Es gibt hier sehr viel Landwirtschaft und wir sehen sehr viele Kühe und jede Menge suizidale Hühnchen, die immer gerade vors Moped rennen, wenn man da lang fahren will. Einmal streikt unser Moped und ein paar kleine Jungs – sie kennen sich einfach besser aus – müssen uns helfen das Moped wieder in Gang zu setzen. Dafür müssen wir nachher eine überteuerte Kokusnuss kaufen, was wir aber gerne tun, besonders weil der kleine Verkäufer sich einen Wolf feut, dass er uns 20.000 Rupiah für nur eine Kokusnusss abgeknüpft hat. Kuta ist ein Dorf, soll aber mal werden wie Kuta, Bali und dementsprechende  (angekündigte) Bauvorhaben kann man beobachten. Noch ist es allerdings mehr verschlafen als eine Touri-Hochburg. Während ich die unzähligen Armbänder verkaufenden Kinder abwimmele frage ich mich, wie mein Heimatdorf Marbeach City* wohl einen solchen Touristensturm aufnehmen würde…und muss dabei lachen.
An diesen Stränden um Kuta versacken wir dann fast eine ganze Woche lang, mit einer kurzen Unterbrechung nach Mataram, um das Visum abzuholen. Wir versuchen uns (ich mal wieder) mit dem Surfen und nach 3 Stunden tut uns alles weh und wir haben uns Knie unnd Oberbauch aufgeschürft. Abends schlürfen wir regelmäßig bei chilliger Elektromucke in unserer Lieblingsstrandbar super Cocktails nachdem wir im Drifters Warung die besten Burger der Welt (kein scheiß) verspeist haben.
 In der Bar können wir dann auch aus nächster Nähe die Spezies “Indonesischer Surferboy” bei der Jagd auf blonde Touristinnen beobachten. Mir war vorher nicht klar, dass es auch asiatische Surferboys geben kann (naiv, ich weiß) – für mich war ein Surferboy groß und blond (australisch eben). Nicht so diese Jungs. Mit Rastas oder einfach nur langen Haaren, einem sehr Bob Marley lastigen Kleidungsstil und extrem tiefhängenden Hosen (Hallo, Schamhaaransatz!) schlendern diese lässigen Typen wie die Coolness in Person bekifft durch ganz Kuta oder schwingen sich bei der richtigen Welle aufs Brett und zeigen den Anfängern, wie das richtig geht. Und mit dieser Coolness sind sie beim Abschleppen gar nicht so unerfolgreich. Dabei lieben sie Sprüche wie “Never know never try” (unser Surflehrer) oder “long hair, long life – long banana, happy wife”.
In der letzten Nacht krieche ich spät nach langen Gesprächen mit Steffie aus Berlin unter unser Mückennetz und erstarre fast vor Schreck als ich nach oben schaue- über mir hängt eine überdimensional große – handgroße – fette Spinne. Voller Panik renne ich aus dem Zimmer und überlasse Timo das Problem. Die Spinne ist allerdings so groß, dass auch er keine Lust hat sie anzufassen, zumal wir nicht wissen, ob diese Sorte giftig ist und ob sie springen kann. Jetzt ist der Moment in dem ich das erste Mal denke: Ich will nach Hause. Nach langem hin und her überlegen irre ich hilflos im Hotelgelände umher und finde drei angetrunkene Engländer, die ahnungslos ihre Hilfe anbieten und vorschlagen die Spinne mit der in einer Plastiktüte eingewickelten Hand anzufassen. Nach einigem Geschrei beim Anblick des monströsen Exemplars entschließt sich eines der Mädchen – wohl die betrunkenste – kurzer Hand die Spinne am Bein zu zupfen, was ich von außerhalb des Bungalows mit dem anderen Mädchen der Gruppe nur akustisch verfolgen kann. Mit viel Geschrei wird die Spinne von den dreien aus dem Zimmer gejagt und schließlich kommt der Brite aus dem Zimmer und sagt siegessicher: “Humans 1, spider 0”. (Menschen: 1, Spinne: 0). Ich tue in dieser Nach allerdings trotzdem kaum ein Auge zu, weil unsere Wand oben Luftlöcher hat und reise am nächsten Tag mit Freudentränen ab. Man weiß immer, wann es Zeit ist zu gehen….
Da wir mal wieder einsehen mussten, dass Indonesien zu groß ist für unser “bisschen” Zeit fliegen wir nach Bima, Sumbawa – ans östliche Ende der nächsten Insel. Vom Rollfeld hat man einen guten Blick auf den mächtigen Rinjani, der über allem zu thronen scheint. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.
*Name von der Redaktion geändert 😉
Unterkünfte:
Gili Trawangen: Aura Bungalows
Gili Meno: Ana’s Warung
Mataram: Idoop Hotel
Kuta: Yellow Flower – Burger/ Restaurant: Drifters Warung/ Infos: Barrel Bar

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